Ich nenne nichts mehr Beziehung, sondern Begegnung.
Und in einer Begegnung ist natürlich jeder frei, das zu tun, was er möchte. Er kann den anderen an die Hand nehmen ohne ihn festhalten zu müssen, er kann den anderen gehen lassen und vertrauen, dass er ihn wieder sieht, wenn es sein sollte. Und auch er kann gehen, wohin er möchte, weil er nicht gebunden ist an den anderen. Man kann den Weg gemeinsam gehen, andere Wege gehen und sich wieder treffen.
In einer Be-ziehung wird gezogen in eine Richtung, da wird erwartet, verlangt, gefordert. Nichts anderes wie bei einer Er-ziehung. Mit der Abnabelung ist jeder frei, jeder. Es ist nur die Erkenntnis, dass es schon immer so ist und war und das ist mir jederzeit bewusst.
Nun ist es raus. Es war eine Herausforderung für mich. Einmal in eine Rolle zu schlüpfen und das Gleiche zu erleben, was ich als Martina erlebe. Der Rolle bewusst, schaute ich mir zu und entdecke Dinge an ihr, die ich bei mir selbst nicht so gesehen hatte. Wirklich empfehlenswert für alle, die sich noch mit sich selbst identifizieren und es nicht schaffen, sich mal einer Außenschau zu unterziehen, ihrer eigenen. Wirklich interessant und so lehrreich. So habe ich gesehen, dass ich mich auch in der Rolle angegriffen gefühlt habe, oh, hallo. Was wurde mir da bewusst? Und dann wartete ich auf den nächsten Angriff, den ich, dadurch dass es mir bewusst geworden ist, nicht mehr empfinden konnte. Vielleicht war er da, aber er traf mich nicht. Echt geil.
Leiden ist eine Illusion, aber nicht die Quelle. Die Quelle ist die Identifikation mit allen, mit den Gefühlen, mit dem Körper, mit den Gedanken. Mit der Identitätslosigkeit löst sich Leiden auf, denn es gibt keinen mehr der leidet.
Identifikation aufzugeben ist allerdings nicht etwas, was willentlich geschieht, sondern einfach passiert, entweder plötzlich (Suzanne Segal) oder nach und nach, wie bei mir. Mir hat dabei geholfen, alles in Liebe zu sehen, was mir begegnet, vor allen Dingen mich selber. Nicht Dinge ändern zu wollen, sondern sie anzunehmen, wie sie sind. Und wenn ich das nicht konnte, auch das anzunehmen. Vielleicht auch mal den Mund auf zu machen, wenn einem etwas nicht gefällt, ohne dass ich erwarte, dass sich etwas ändert, Gefühle einfach zu leben und sie nicht in sich rein zu fressen. Und endlich mal alles zu tun, damit es mir gut geht, sich um mich so sorgen und um mich zu kümmern, wobei ich auch Hilfe annehmen kann. Es ist alles erlaubt und nichts unmöglich. Vertrauen und Liebe sind hier die Zauberwörter.