Archiv für September, 2008

Loslassen statt Festhalten
30. September 2008

Gestern morgen haben sie meine Küche wieder neu eingebaut, worauf ich mich tierisch gefreut hatte, da sich im Wohnzimmer mittlerweile das dreckige Geschirr stapelte und ich etliches an Wäsche zu waschen hatte und somit gleich die Maschinen anmachen wollte. Aber, oh Schreck, wir hatten keinen Strom. Darauf bin ich zum Polier, der für den Badumbau verantwortlich ist und nur ein Haus weiter tätig war, und erzählte ihm davon. Darauf er, „was hat die Küche mit dem Bad zu tun?“ „Na ja,“ sage ich, „vorher ging der Strom ja noch und jetzt nicht mehr. Also wenn das nicht mit dem Badumbau zu tun hat, womit dann?“ Wobei ich erwähnen muss, dass sie die Elektrik hier komplett erneuert haben und einen neuen Sicherungskasten, doppelt so groß wie der alte, eingebaut haben. Außerdem hatte der Vormieter eine Menge Steckdosen und Kabelbuchsen noch zusätzlich verlegt. „Ich schicke ihnen den Elektriker vorbei, wenn ich ihn sehe, heute noch.“ Ich wartete dann bis zum Nachmittag, ca. 1,5 Stunden, dann wurde mir das ganze zu bunt. Ich merkte, das Universum schickte mich in die Richtung, wütend zu werden. „O.k., wenn du meinst,“ dachte ich nur. Also suchte ich den Polier wieder auf, der erst mal nicht gleich aufzufinden war. Also noch ein bisschen mehr Wut aufbauen, dann fand ich ihn endlich, er lief mir zufällig über den Weg. Ich fragte ihn, wann der Elektriker denn nun käme, ich würde in der Küche ja immer noch nichts tun können. Darauf er, „ ich habe ihn noch nicht gefunden. Moment!“ Er nahm sein Handy und telefonierte : „Zeig dich mal am Fenster!“ Darauf steckte im 2. Stock dieser seinen Kopf aus dem Fenster. Ich fasste es einfach nicht, jetzt war ich auf 180. Das hätte der „gute“ Mann ja auch schon vor anderthalb Stunden machen können. So, Universum, bin ich jetzt wütend genug. Ja, es reicht! „Gehst du bitte gleich noch zu dieser Dame, da ist ein Problem mit den Steckdosen in der Küche.“ An mich: „Er kommt gleich zu Ihnen!“

Ich ging nach Hause, es dauerte auch nicht lange und der Elektriker klingelte. Ich muss dazu sagen, dass der junge Mann immer der letzte auf der Baustelle und der einzige seiner Firma ist, der hier im Einsatz ist. Und so verlangt man ihn ständig, sein Arbeitstag geht schon mal bis 22 Uhr. Er kam also, ich schilderte ihm das Problem und sagte, dass ich seit nunmehr 17 Tagen nicht mehr meine Küche nutzen konnte und jetzt, wo es eigentlich möglich sein sollte, kein Strom da wäre. Ich konnte nicht mehr ruhig dabei bleiben. Warum musste ich grad bei diesem netten Mann meine Wut zeigen? Gefiel mir nicht, aber da müssen wir beide jetzt durch. Er reagierte auch prompt, sagt, er könne ja nichts dafür, sei auch nicht verantwortlich und geht davon aus, dass der Fehler wahrscheinlich irgendwo unter den Kacheln in der Küche zu suchen sei. Durch das heftige Herumrödeln der Bauarbeiter hat sich wahrscheinlich irgendeine Klemme von den selbsteingebauten Leitungen des Vormieters gelöst. Nachdem er mir „Angst“ gemacht hat, was alles passieren könnte, z.B. die ganze Wand aufschlagen usw., versuchte er, wie er mir erklärte, die Nullleitung zu überbrücken, ich weiß jetzt nicht, ob ich das richtig wiedergebe, auf jeden Fall hatten wir danach wieder Strom, denn meine eingeschaltete Waschmaschine legte sofort los. Ich war natürlich dankbar, wem, weiß ich nicht so genau, erst mal dem Universum, ich drückte es aber ihm gegenüber aus, indem ich drohte, ihn küssen zu wollen, wenn er nicht so staubig wäre. Immerhin zauberte das ein Lächeln in seinem Gesicht und er verabschiedete sich schnell, es gab ja wohl noch mehr zu tun.

Wozu das Universum mich als Werkzeug jetzt wieder benutzt hat, kann ich nur vermuten. Ich nehme an, der nette freundliche Mann, muss endlich lernen mal „nein“ zu sagen und für sich eintreten, seine Grenzen aufzeigen. Ich hatte den Eindruck, dass er seinen Beruf aus Freude daran macht, solange er es aber noch Arbeit nennt, hat er damit ein Problem. Ich zitiere da mal Konfuzius: „Wenn du liebst, was du tust, wirst du nie wieder in deinem Leben arbeiten.“ Es ist ja nicht meine Aufgabe, nachzuforschen, warum ich was tun soll, irgendwann offenbart es sich, nicht aber genau, was mein Gegenüber damit zu tun hat, das ist immer nur spekulativ, denke ich mal. Vielleicht treffe ich aber auch genau den Punkt damit, wer weiß. Was ich damit sagen will, ist, es ist immer genau der richtige Zeitpunkt, um zu erwachen, auch für den Elektriker, hier und jetzt. Er braucht also nicht rumjammern, dass er immer soviel zu tun, nur noch zum schlafen nachhause kommt und der einzige seines Fachs ist, der auf der Baustelle tätig ist. Mir braucht er das nicht zu sagen, dass muss er dann schon den entsprechenden Leuten sagen. Vielleicht hat er aber Angst seinen Job zu verlieren, der ihm wichtiger erscheint als seine Freundin oder Frau. Er kann nicht loslassen, aber das Universum hat ihn grad gekrallt und hält ihn in seinen Klauen.

Nun ist gerade der Polier, der Hausmeister und der Vermieter da gewesen, um die Badabnahme zu machen. Gleich wurde etwas festgestellt, was wieder in den Arbeitsbereich des Elektrikers fällt und noch zu machen wäre. Der Polier gleich: „Da schicke ich den Mirko dann noch mal rüber die Tage.“ Und da sagte ich, „nein! Der kann auch erst kommen, wenn der Badumbau in allen Häuser fertig ist oder ein anderer macht das. Das kann ja warten. Der Mirko ist teilweise bis 22 Uhr auf dem Bau, immer der letzte, der hat ja auch noch ein Privatleben.“ „O.k., dann machen wir das später und melden uns.“ Damit war ich einverstanden, es ging nämlich nur um eine Abdeckung an der Decke. Das ist doch Banane, ob da Kabel raushängen oder nicht, da kommt sowieso keiner ran, also keine Verletzungsgefahr. Sicher ist das schnell gemacht, auch keine Frage, aber ich hatte den „Auftrag“ das zu sagen, also sagte ich es. Jetzt wissen sie Bescheid.

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Zeichen
27. September 2008

Heute ist ein warmer Herbstsamstag, der letzte im September. Ich habe grad ein wenig geschlafen und danach Essen für meine Tochter gemacht, soweit dass auf dieser Baustelle, auf der wir nur noch maximal bis nächste Woche leben, möglich ist. So gab es auch nur Tiefgefrorenes in der Mikrowelle aufgewärmt. Aus dem Radio habe ich gehört, dass Werder 4:1 gegen Hoffenheim führt, soviel ich weiß, stehen die auch ganz oben. Letztes Wochenende haben wir schon die Bayern geschlagen, Schalke hat gestern auch verloren, müssen damit wohl ihre Tabellenführung aufgeben.

Eigentlich müsste ich jetzt auf einer Fortbildungsveranstaltung sein für ehrenamtliche Vormünder, ich nenne das mal so. Es sollte eine Vertiefungsschulung sein, nachdem ich schon einige Termine hinter mich gebracht habe und mich bereit erklärt hatte, so eine Vormundschaft für ein Kind oder einen jungen Erwachsenen zu übernehmen. Aber das geht nicht mehr, das passt einfach nicht. Es gab da so ein Schlüsselerlebnis heute und zwar erzählte die Referentin, Mutter von drei eigenen Kindern, dass sie eine Notauffangstation ist für Kinder, die von jetzt auf gleich aus der Familie genommen werden müssen. Sie sprach dabei von einem Kind, dass bei ihr immer wieder zurück kam, weil keine Pflegefamilie es behalten wollte. Darauf hätte der Junge, als sie mal mit ihm im Supermarkt war, mehrere Leute angesprochen, ob sie nicht seine neuen Eltern werden wollten. Mein Ausruf war „Oh, wie süß!“, worauf mich zwei Leute entsetzt anschauten und der eine sagte, „Nee, wie grausam!“ und ein zustimmendes Nicken von den Umsitzenden erhielt. (Ausgleich bei Werder 4:4, sollte wohl nicht sein.)

Die ganze Zeit hatte ich schon mit mir gerungen, ob ich wirklich bis zuletzt da bleiben sollte. Ich fühle da immer so in mich hinein und stelle mir dir Frage, wie fühlt es sich an, wenn du hier bleibst. Da war einfach nur ein Nein. Andersherum war die Frage, „Wenn du gleich nach Hause fährst, wie fühlt sich das an?“, mit einem „Wunderbar“ beantwortet. Ich bat um ein klares Zeichen vom Universum, denn immerhin hatte es mich ja bis hierher kommen lassen. Und genau jetzt hatte ich das Zeichen. Ich schnappte meine Sachen und ging, ohne dass einer es mitbekam, weil eh grad Mittagspause war. Jetzt werdet ihr euch fragen, „ja, warum bist du denn nun überhaupt gegangen bzw. warum bist du heute morgen denn überhaupt dahin gefahren?“

Also heute morgen war der Gedanke noch gar nicht da, das nicht zu machen, er kam innerhalb der Veranstaltung auf. Und zwar sagte man uns, dass einige Stühle frei bleiben würden, weil einige Leute noch Teile der Vertiefungsschulung nachholen müssten. Na ja, dachte ich, also wenn ich zu müde werde, immerhin hätte ich bis 16.15 Uhr dort bleiben müssen laut Plan, dann hole ich die Teile irgendwann wieder nach, geht ja. Die erste Referentin, eine Ärztin und Mutter von 8 Kindern, erzählte uns dann aus medizinischer Sicht, wie man Vernachlässigung bei Kindern sehen würde und welche Möglichkeiten sie hätte, dann zu reagieren, sprich: Krankenhaus, Ämter einzuschalten und zum Schluss aus der Familie nehmen, wo wir dann irgendwann eingesetzt werden würden. Also ich fand es an sich nicht wichtig, zumal sie uns Bilder zeigte von Babys, mein Nachbar hätte wahrscheinlich wieder gesagt „Wie grausam!“, deren Mütter rauchten, Drogen nahmen usw., eben Kinder mit Mangelerscheinungen. Ich weiß auch gar nicht, wozu wir das wissen müssen. Das kennen sowieso schon die meisten Leute, haben solche Bilder schon gesehen haben, erschrecken tut mich das sowieso nicht mehr.

Irgendwie war mir das zuviel graue Theorie und zu wenig wirkliches Handeln. Ich bin mehr ein Mensch, der tut, ohne es Hilfe zu nennen, auch wenn andere es so sehen. So kann ich auch schwer mit einem „Danke“ umgehen, denn ich mache ja nichts wirkliches, was ich zum Wohle eines anderen tue. Alles was ich tue, kommt grad zu mir und weil es mir Freude bereitet, verrichte ich es, mehr ist gar nicht. Wenn die jetzt mit einer Vormundschaft gekommen wären, dann sähe es vielleicht anders aus. Aber „was wäre, wenn“ ist jetzt egal.

Ich bin nur mal gespannt, was die machen werden, ob die überhaupt registriert haben, dass ich nicht mehr anwesend war, ob die mich anrufen oder anmailen.

Um noch mal zum Thema „Hilfe“ zu kommen, ich bin der Ansicht, keiner kann irgendjemanden wirklich helfen. Jeder hat sein Gegenüber immer zu rechten Zeit am rechten Ort, dafür ist in dem großen Universum gesorgt, wir brauchen uns darum nicht zu kümmern. Menschen, die erwacht sind, sowie ich, wissen, dass sie ihre Rolle zu spielen haben. Manchmal dienen sie als Aufzeiger, als Hinweisgeber, wo zu schauen ist, manchmal als Projektion oder was auch immer grad angesagt ist.

Werder Bremen hat doch noch 5:4 gewonnen, juhu!

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Campingfeeling
21. September 2008

Mein momentaner Tagesablauf durch Badrenovierung und Küchenabbau:

Ca. 6:30 Uhr aufwachen, heute mal etwas länger, weil Arbeiter nicht da. Anziehen, Duschsachen geschnappt und ab zum Duschcontainer mit WC. Duschen, Fönen und zurück in staubige Wohnung. (Arbeiter ab 7:00 Uhr schon da, meistens früher!)

Ca. 7:15 Uhr Teekochen, in Thermokanne, Marmelade eingepackt, zum Bäcker, frühstücken. Meistens noch einkaufen, Fertiggericht für Mikrowelle oder Backofen.

Ca. 9:30 Uhr zurück in Wohnung, meistens in den Keller, da Flur voll. Im Keller eventuell dreckige Wäsche geschnappt und ab ins Waschhaus oder Fahrrad und ab irgendwo hin, nur nicht hier bleiben. Immer das Jed McKenna Buch dabei, damit ich die “Zeit totschlagen” kann.

Ca. 13 Uhr zurück in Wohnung, schnell durch ins Wohnzimmer und ins Zimmer meiner Tochter, ausruhen, vielleicht schlafen, wenn es nicht so laut ist. Ohropax helfen da. Im Wohnzimmer verbleiben bis endlich Ruhe ist, ca. 17 Uhr, freitags schon gegen 15 Uhr. Eventuell an PC und ins Internet.

Beschreibung des Wohnzimmers:

und Zimmer meiner Tochter:

Ende offen, wahrscheinlich wird Freitag Bad fertig und am Montag danach die Küche eingebaut. Danach noch neuen Fußboden im Flur.

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