Nun war heute morgen besagter Zahnarzttermin, pünktlich war ich da, das Wartezimmer bis auf den letzten Platz besetzt und …. nichts zu lesen da. Das sprach ich dann auch laut aus und ein Mann gab mir daraufhin etwas aus seiner Tasche mit den Worten: “Vielleicht möchten sie das ja mal lesen, vielleicht interessiert sie das!” Na ja, dachte ich, besser als nichts. Ich nahm die Zeitschrift und dachte mir, nachdem ich auf den Titel geschaut hatte, der da lautete “Regenwaldreport” oder so ähnlich, ein Ökofreak. Ich sah mir den Mann unbemerkt von ihm etwas genauer an und registrierte: Fahrradtasche, Jeans, Wollpollover, Schnürschuhe - Bestätigung Ökofreak. Ich blätterte die Zeitung nur so durch, war nicht viel, dort war von Tierversuchen mit Affen die Rede, von Mißhandlungen an Frauen und Kindern und der Zerstörung des Regenwaldes. Auf der letzten Seite war dann noch ein Aufruf zu Spenden - typisch! Ich gab ihm seine Zeitschrift wieder, bedankte mich noch mal und sagte nur, “tja, nicht viel Bilder drin zum anschauen und soviel lese ich ja nicht.” Darauf er, “das habe ich nicht anders erwartet.” Das passt ja mal wieder, wollte ihn ja auch nicht enttäuschen. Kurz darauf wurde er ins Behandlungszimmer gerufen.
Als er wieder rauskam, holte er nur noch seine Regenjacke aus dem Wartezimmer, sagte brav “auf Wiedersehn” (Ob ich den noch mal wieder sehe?) und ging dann fertig angezogen zur Toilette, d.h. er öffnete die Tür und ging einen Schritt rein und dann wieder raus. Komisch, muss wohl doch nicht, oder , hat es sich anders überlegt, ging mir durch den Kopf. Dann öffnete er auf einmal eine Seite des Spiegelschranks neben der Klotür. Und jetzt verstand ich, er suchte den Ausgang. Ich musste so lachen, mir kamen die Tränen und unter denen sagte ich dann auch “der sucht den Ausgang, lach, und geht dabei aufs, lach, Klo und in den , lach, Schrank, lach, lach, lach …..” Ich konnte gar nicht mehr aufhören. Die verbleibenden Leute im Wartezimmer grinsten.
Irgendwann war ich dann an der Reihe. Mein Zahnarzt und ich besprachen die ganze Zahnangelegenheit und haben uns entschieden, erstmal keinen Stift einzusetzen und den anderen Eckzahn nochmal mit einem speziellen Härtemittel zu blombieren und abzuwarten. Er wollte sich auch mit seinem Kollegen absprechen, der mit in der Praxis ist und sich dann eventuell noch mal melden. Ansonsten soll ich wieder kommen, wenn was passiert oder zur nächsten Vorsorge. Die Unterlagen von der Krankenkasse behielt er erstmal.
Danach ging ich noch auf den Markt. Ich stellte mich in die Schlange am Geflügelstand, dort war es nicht sehr windgeschützt. Es pustete und mir wurde kalt, und ich sagte “brrr, ist das hier zugig:” Daraufhin drehte sich ein Mann um, ich blickte in ein schwarzes Gesicht und erwartete jetzt gebrochenes Deutsch, aber nein, “da muss man sich nur richtig anziehen. Aber bei diesem Wetter ziehe ich auch keine winddichte Hose an.” Ich erwiderte, “ich denke, ich habe mich richtig angezogen, nur für diesen Windkanal, in dem ich mich grad befinde, ist ja nur einen Moment, muss ich mich ja nicht gleich dementsprechend anziehen.” Wir sprachen dann noch einige Zeit über Kleidung und so, und ich musste grinsen, weil er so einwandfrei deutsch sprach, m.E. ist er hier geboren. Also von dem hätte ich gerne die Telefonnummer gehabt. Das, was er sagte und wie er es sagte, gefiel mir einfach. Leider war er dann an der Reihe und ich dann auch, und ehe ich mich versah, war er verschwunden.
Dann spricht mich heute nachmittag meine Tochter an, dass sie im Internet bei Tchibo gefunden hat, dass die für 39 Euro das selbstgeschriebene Buch rausbringen, als BoD (Book on Demand) und auch ein Exemplar davon einem zuschicken mit ISBN. Oh, mein Gott, was willst du mir damit sagen. Soll ich das Buch jetzt doch verlegen, unkorrigiert, oder soll ich es selbst noch mal durchlesen und bearbeiten? Ich denke, was ich aber nicht will, - oh, Ego, steh mir nicht im Weg! - ich muss es selbst noch einmal korrigieren. Da schlafe ich erstmal eine Nacht drüber.
Viele Menschen kämpfen gegen irgendwas, gegen Krankheiten, gegen den Tod, gegen das Ende einer Beziehung usw. Ganze Völker kämpfen gegen irgendwelche Feinde. Der Ruf nach Schutz wird laut. So werden Truppen auch zum Schutz eingesetzt, die Polizei soll schützen, immer mehr Gesetze sollen schützen, immer neue Medikamente werden gefunden, um zu schützen, Impfungen sollen Schutz bieten oder Prophylaxen. Dabei gibt es nichts zu verhindern, was passieren soll, wird passieren und was nicht, passiert auch nicht. Wer kann sich schon vor dem Tod schützen? Keiner, und damit auch kein anderer. Wenn wir aus einer Situation glimpflich herauskommen, wenn uns nichts passiert, dann reden wir von Schutzengel. Gut, warum es nicht so nennen, es ist ok.
Ich für mich habe herausgefunden, dass ich nicht mehr kämpfen tue. Ich ergebe mich meinem Feind, wenn es denn noch einen geben würde oder mache ihn zu meinem Freund. Und ich tue etwas für mich in jedem Augenblick meines Lebens. Wenn mir was weh tut oder ich eine Grippe bekomme, dann nehme ich es hin. Schmerz ist nicht da um ihn wegzudrücken, totzumachen. Schmerz kann auch bis zu einem gewissen Grad ausgehalten werden.
Die Kniee zwicken mich immer mal wieder, aber deswegen gerate ich nicht gleich in Bewegungslosigkeit. Etwas für mich zu tun heißt dann, weniger zu laufen und mehr Fahrrad zu fahren oder auch mal eine Thai Chi Übung zu machen. Wenn es zu arg wird, dann kann ich auch mal ein Schmerzmittel nehmen. Bei der letzten Grippe habe ich das mal gemacht, aber auch nur kurz. Ich schaue, was ich aushalten kann und ich kann eine ganze Menge aushalten. Das Universum macht es sehr erträglich. Deswegen leide ich auch nicht mehr, das wird ja auch nicht verlangt. Ich mache mir eine Wärmflasche, lege mich ins Bett, schlafe viel, binde einen Schal um, mache mir Salbeitee, alles Dinge für mich.
Ich denke, ich würde auch keine Chemotherapie machen oder sowas. Das kann doch nichts für mich sein, oder. Aber ich kann da nicht mitreden, wenn es soweit ist, es sich anbietet, tue ich es vielleicht doch, weil es vielleicht doch angebracht ist. Aber wenn es so sein sollte, wird es auch dann passen, dann wird das Universum mich mit der Nase drauf stoßen, es zu tun.
Zum Beispiel habe ich ja jetzt ein sogenannte Wurzelfüllung, die aber, wenn es nach meinem Zahnarzt geht, durch einen Stift usw. ersetzt werden soll. Ich bin davon nicht so begeistert, weil das ganze wieder mehrere Behandlungen nach sich zieht und ich mag das einfach nicht, bohren, Abdruck, Provisorium, wieder bohren, Stift anpassen usw. Nun habe ich sogar eine fast 100 % Kostenübernahme von der Kasse bekommen, trotzdem weigere ich mich hinzugehen. Und was macht das Universum? Gestern fällt mir beim Zähneputzen ein Stück von meinem anderen Eckzahn heraus, der sowieso schon tot ist, da er eine Wurzelresektion, noch so eine leckere Angelegenheit, hinter sich hat. Resultat: Anruf beim Zahnarzt deswegen, Termin nächste Woche und “über den Stift reden wir noch mal und die Kostenübernahme, da finden wir einen Weg.” Na ja, da hat das Universum mich also prompt wieder in die für mich vorgesehene Richtung geführt, wobei die Kostenübernahme ja eigentlich schon der Wegweiser dorthin war, denke ich mal.
Heute im Supermarkt, ständig läuft mir eine Frau vor die Linse, deren Hose weit, wirklich sehr weit unten sitzt, sodass ich fast den halben Hintern sehe, da ihr Shirt auch zu kurz ist. Vor allen Dingen ist sie dick und die Hose wohl zu klein. Ihr Einkaufswagen ist fast nur mit Schokopudding und Vanillepudding gefüllt, dort anscheinend sehr billig, ich schätze so 20 Stück. Wenn sie sich nur von so was ernährte, würde wahrscheinlich die Hose bald gar nicht mehr ihren Po bedecken. Egal, ich will das jetzt nicht werten. Auf jeden Fall stand sie dann auch in der Schlange an der Kasse direkt vor mir, nur mein Einkaufswagen trennte mich von diesem Anblick. Trennen? Na ja, nicht wirklich. Nun packte sie ihre Sachen vor mir auf das Band, ein paar andere süße Kleinigkeiten noch dazu wie z.B. Eistee. Als sie in Höhe der Tabakwaren kam, griff sie dort hinein und holte sich zwei Päckchen Drehtabak aus dem Korb. Allerdings landeten die nicht auf dem Band, sondern, ich glaubte es einfach nicht, in ihrer großen Umhängetasche. Anscheinend bekam sie gar nicht mit, dass ich das alles beobachtet hatte. Die Kassierer, heute alles Männer, hatten das nicht bemerkt. Ich haderte nun mit mir, ob ich was sagen sollte und wie und was. Irgendwann formte sich in meinen Kopf der Satz „ ich glaube, sie haben aus Versehen vergessen, den Tabak auf das Band zu legen!“ Ich dachte mir dann auch so, da ich den Kassierer persönlich kannte und ihn dutzte, dass das dann schon passen würde und das nicht gleich als Diebstahl gelten würde. Als er mich wahrnahm, fragte ich ihn dann, ob sie auch Gummihandschuhe hätten. Darauf er, „nein, im Moment nicht, wir hatten letzte Woche Lederhandschuhe!“ Die Antwort fand ich so „blöd“, dass ich dachte, „was soll das denn nun, Universum, was willste mir denn damit sagen?“ Dann kam besagte Dame an die Reihe, ein Pudding nach dem anderen piepte durch den Scanner, bei der Hälfte stand mein Bekannter von der Kasse auf und machte einem Kollegen Platz. Mich verabschiedete er mit dem Satz „Tschüss, bis dann irgendwann,“ und weg war er. Was nun? Die letzten Artikel wurden durch gescannt und die Frau öffnete ihr Portemonnaie. Ich sah die Münzen darin und registrierte, dass es knapp bei ihr war. Irgendwie kam sie mir auch sehr verpeilt vor, vielleicht hatte sie Drogen genommen oder stand unter Alkohol, denn sie fragte x-mal, „wie viel kostet das noch?“ Dann fiel ihr noch ein 2-Cent-Stück zu Boden, dass ich ihr aufhob, mit meinem Knie, aua. Ich sagte nichts mehr, ich konnte nichts mehr sagen. Die Frau hatte eine Coolness, denn sie packte noch in aller Seelenruhe ihre Tüte voll und schob dann ihren Wagen vor mir auf den Parkplatz. Als ich meinen Einkaufsroller vollgepackt hatte, bei den Wagen stehend, sah ich sie zur Haltestelle eilen. Ich wollte grad meinen Wagen dort abstellen, als ich sah, dass sie etwas in ihrem Wagen „vergessen“ hatte. Aha, Universum, das ist also die Belohnung dafür, dass ich nichts gesagt habe. Na ja, ich sehe es eher als Zeichen, dass ich es genau so machen sollte, wie ich es getan habe. Ich denke, es lag auch daran, dass ich nicht mehr gedacht habe. Nicht, ob das jetzt gut oder schlecht ist, ob die Frau böse war oder nicht, ob jemand Schaden genommen hat oder nicht. Diese Fragen stellen sich mir einfach nicht, wenn ich nur am Tun bin und so im Fließen und eins mit allem. Ich erwähne es nur, weil ich früher im Nachhinein immer mein Tun beurteilte und dann kamen unweigerlich diese Fragen, vielleicht kommen sie euch auch noch. Vergesst sie, kann ich nur sagen. Solange euer Ego ausgeschaltet ist, das Wollen hinten ansteht und ihr im Fluss seid, kann einfach nichts falsch sein.